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| Mycosis Fungoides |
Mycosis fungoidesDie Mycosis fungoides ist eine seltene, primär extranodale lymphoproliferative Erkrankung von malignen T-Helfer-Zellen (CD 4 positiv). Die Mycosis fungoides zählt zu den niedrigmalignen, aber dennoch prognostisch in der Regel ungünstigen Non-Hodgkin-Lymphomen und ist das häufigste kutane T-Zell-Lymphom. In der Zusammenschau aller Lymphome macht die Mycosis fungoides allerdings nur 0,5 % der Erkrankungen aus.
Patienten
Die Mycosis fungoides ist eine Erkrankung, die vor allem Patienten über 40 Jahren betrifft (Median 50-60 a). Männer erkranken tendenziell etwas häufiger (ca. 3:2).
Stadien & Symptome
- Prämykotisches Stadium:
Das prämykotische Stadium ist gekennzeichnet durch uncharakteristische Hautausschläge mit hartnäckigem Juckreiz und evtl. Schuppung v.a. am Körperstamm. Die Effloreszenzen können verschwinden und an einer anderen Stelle wieder erscheinen. Diese Ekzem-artigen Läsionen können über Jahre in diesem Stadium verharren und gehen dann in das infiltrative Plaque-Stadium über. Im prämykotischen Stadium sind z.T. Heilungen noch möglich..
- Plaque-Stadium:
In diesem Stadium finden sich oft ringförmige, Plaque-artige und leicht erhabene Effloreszenzen, die in der Ausprägung unterschiedlich sein können.
- Tumorstadium
In diesem Stadium kommt es zur Ausbildung von multiplen, knotigen und rot-bräunlichen Tumorknoten im Bereich der Haut, oft auch im Bereich des Gesichtes (Facies leontina, Löwengesicht). Die Knoten können ulzerieren. In schweren Fällen kommt es zur Erythrodermie.
In diesem Stadium kommt es in der Regel zur systemischen Ausbreitung des Lymphomes.
- Lymphknotenbefall:
In diesem Stadium kommt es zum Befall von multiplen Lymphknoten.
- Befall innerer Organe:
Die Mycosis fungoides befällt im fortgeschrittenen Stadium Leber, Milz, Lunge und Blut. Das Knochenmark ist in etwa 30% der Patienten befallen. Der Befall innerer Organe ist prognostisch ungünstig.
Tumorstaging
Das Tumorstaging erfolgt nach den Regeln des TNM-Systems. Außerdem wird klinisch die Stadieneinteilung nach der AJCC (American Joint Cancer Committee) verwendet.
Pathologie
Histologisch lassen sich in den betroffenen Hautarealen polymorphkernige Infiltrate v.a. im Korium der Haut nachweisen. Mit der Krankheitsprogression überwiegen in diesen Infiltraten immer mehr die eigentlichen neoplastischen Zellen. Diese sind überwiegend klein, besitzen einen zerebriform gelappten Zellkern und entsprechen von ihrem Immunphänotyp T-Helfer-Zellen. Sie zeigen einen deutlichen Epidermotropismus, d.h. sie infiltrieren vom Korium her die Epidermis. In den höheren Lagen der Epidermis (v.a. dem Stratum spinosum) bilden sie sog. Pautrier-Mikroabszesse, d.h. kleine herdförmige Tumor-Zell-Inseln. Die betroffene Haut zeigt außerdem in der Regel eine Para- und Orthokeratose und eine unregelmäßige Akanthose. Im Abflussgebiet der Hautläsionen können Lymphknoten das Bild einer sog. dermatopathische Lymphadenitis zeigen. In derartig veränderten Lymphknoten lässt sich ein Lymphom nicht immer sicher diagnostizieren.
Auch in den auf die Haut lokalisierten Stadien ließen sich neuerdings mit sensitiven Methoden im Knochenmark und im Lymphknoten Tumorzellen nachweisen. Die klinische Bedeutung dieser Tatsache ist noch nicht gänzlich klar. Im Plaque- und Tumorstadium lassen sich bei bis zu 25% der Patienten Tumorzellen im Blutausstrich nachweisen.
Es sind keine charakteristischen chromosomale Veränderungen bekannt. Die molekulare Grundlage des Epidermotropismus ist noch nicht geklärt. Vermutlich exprimieren die Tumorzellen bestimmte Homing-Faktoren bzw. sind abhängig von Haut-spezifischen Wachstums-Faktoren. Auch normale T-Lymphozyten zeigen z.T. einen Epidermotropismus.
Ätiologie
Die Ätiologie der Erkrankung ist unklar. Es existieren jedoch unterschiedliche Hinweise:
- Virale Hypothese: Es gibt andere T-Zell-Lymphome, die mit dem Virus HTLV-I assoziiert sind. Dies ließ sich bei der Mycosis fungoides nicht zeigen.
- Zum Teil findet man bei Patienten verstärkt allergische Reaktion vom Typ IV. Dies lässt auf eine vermehrte Aktivität von T-Helferzellen schließen.
- Bei vielen Patienten fand sich eine vermehrte Exposition gegenüber Chemikalien
- Chronische Entzündungen sollen zur chronischen Stimulation und Proliferation von T-Lymphozyten führen.
Diagnostik
Die Diagnostik erfolgt in der Regel durch eine Biopsie aus den betroffenen Hautbezirken bzw. tumorösen Läsionen. In den generalisierten Stadien auch an Biopsien aus Lymphknoten, Knochenmark und den betroffenen Organen. Im Knochenmark können die Infiltrate ähnlich einer B-CLL sein, jedoch sind die Infiltrate im Gegensatz zur B-CLL "saure Phosphatase" und "saure Naphtol-Acetatesterase positiv".
Das leukämische Sézary-Syndrom kann am Blutausstrich und immunphänotypischer Typisierung diagnostiziert werden. Die Monoklonalität der Tumorzellen kann durch molekularbiologische Untersuchungen des T-Zell-Rezeptor-Rearrangement nachgewiesen werden.
Sonderformen
- Sézary-Syndrom:
Das Sézary-Syndrom ist eine generalisierte,erythrodermische und leukämische Variante der Mycosis fungoides mit schlechter Prognose. Im Gegensatz zur Mycosis fungoides schreitet die Erkrankung in der Regel nicht in das Tumorstadium fort, sondern die Tumor-Zellen (sog. Sézary- oder Lutzner-Zellen) breiten sich früh generalisiert über das Blut aus und befallen das Knochenmark, Lymphknoten und andere Organe. Sézary-Zellen besitzen den Phänotyp von reifen T-Lymphozyten (CD 4 positiv, CD5 positiv) und sind charakterisiert durch ihren typischen zerebriformen Zellkern. Diese Zellen finden sich auch in den Gewebe-Infiltraten der Mycosis fungoides. Therapeutisch wird das Sézary-Syndrom wie die Mycosis fungoides behandelt.
Differentialdiagnose
Im prämykotischen Stadium ist die Mycosis fungoides v.a. von primären, ekzematösen Hauterkrankungen abzugrenzen (z.B. Neurodermitis, Psoriasis)
Therapie
- topische Behandlung mit Retinoiden, Kortikoiden u.a.
- Photochemotherapie mit Psoralen und UV-Behandlung (PUVA)
- Interferon alpha – Therapie
- Therapie mit monoklonalen Antikörpern (z.B. anti-CD52, Campath®)
- Kombinationschemotherapie
- Radiatio und Ganzkörperbestrahlungen
- In speziellen Zentren extrakorporale Photopherese
- Behandlung des Juckreizes (Pruritus)
Prognose
In Stadium I kann die Erkrankungen über Jahre sistieren, evtl. sind sogar Heilungen möglich. Ansonsten ist die Mycosis fungoides eine unheilbare Erkrankung. Das Sézary-Syndrom hat eine schlechte Prognose. Auch eine Erkrankung mit Tumorzellen mit dem Immunphänotyp von T-Suppressorzellen (CD 8 positiv) scheint prognostisch ungünstig.
Komplikationen
- Übergang in ein hochmalignes T-Zell-Lymphom (großzelliges T-Zell-Lymphom)
- Befall innerer Organe
- funktionelle Immunsuppression (wahrscheinlich auf Grund von durch das Lymphom sezernierten Faktoren)
Weblinks
[http://www.dermis.net/doia/diagnose.asp?zugr=d&lang=d&diagnr=202100&topic=t Dermis_Atlas]
[http://www.wadsworth.org/chemheme/heme/glass/slide_015_sezary.htm Sézary-Zellen]
[http://www.krebshilfe.de/neu/infoangebot/brosch.html#nonhodgkin-ratgeber Krebshilfe_Ratgeber]
Wichtiger Hinweis:
Die Onkologie ist ein großes und sich rasch veränderndes Gebiet. Die hier gegebenen Informationen entsprechen allenfalls Lehrbuchwissen, entsprechen also nicht unbedingt dem neuesten Stand der Wissenschaft. Die vorstehenden Angaben dienen nur der unverbindlichen Information und als Diskussionsgrundlage.
Kategorie:Onkologie
LymphknotenEin Lymphknoten (Nodus lymphaticus oder Lymphonodus, Abk. Ln.) ist eine „Filterstation“ für die Lymphe (Gewebswasser) und gehört zum Lymphsystem. Jeder Lymphknoten ist für die Aufnahme und Filterung der Lymphe einer Körperregion zuständig. Dieses gefilterte Areal wird tributäres Gebiet genannt, der Lymphknoten ist der regionäre Lymphknoten dieses Gebiets.
Lymphknoten gehören zum Abwehrsystem ("Immunsystem") eines Organismus.
Man findet sie beim Menschen und bei allen Säugetieren, in primitiver Form auch bei Vögeln.
Lymphknoten sind normalerweise beim Menschen circa 5–10 mm groß und sind oval oder unregelmäßig geformt, in der Leiste und am Hals können sie auch bis 20 mm groß werden.
Sind sie größer als 2 cm und nehmen eine kugelförmige Gestalt an, dann sind sie aktiviert und mit der Abwehr von Krankheiten beschäftigt. Bei Tieren können Lymphknoten zu sehr großen Gebilden verschmelzen. So ist beispielsweise der Kniefaltenlymphknoten beim Rind bis zu 11 cm lang und 2 cm dick.
Aktivierte Lymphknoten haben im Ultraschall einen verbreiterten dunklen Rand und sind vermehrt durchblutet.
Bei Erkrankungen im tributären Gebiet gelangen Fremdzellen und -partikel in den regionären Lymphknoten und es kommt zu einer Reaktion. Antigene lösen die Vermehrung von B- und T-Lymphozyten aus. Der Lymphknoten schwillt dadurch an und wird dadurch meist erst wahrgenommen.
Die wichtigsten Regionen mit Lymphknoten liegen
- an Kopf und Hals (vor dem Ohr: Lnn. präauriculares, hinter dem Ohr: Lnn. retroauriculares, unterhalb des Ohrs: Lnn. parotidei, Hinterhaupt: Lnn. occipitales, Kiefergelenk: Lnn. submandibulares, Kinn: Lnn. submentales)
- im Nacken
- unter dem Unterkiefer
- entlang der Halsgefäße
- in der Achselhöhle
- in der Leistengegend
- im Bauch
- im Brustraum
Wie kann man Lymphknoten untersuchen?
- mit den Fingern tasten
- per Ultraschall
- per Computertomografie
- per Kernspintomografie
- mit der Lymphografie
- durch eine gezielte Gewebsprobe aus dem Lymphknoten
- durch eine chirurgische Entnahme eines auffälligen Lymphknotens
Das in Flussrichtung davor (peripherer) liegende Gebiet muss dann als Ort der Erkrankung angesehen werden.
Es gibt Krebsarten, die direkt die Lymphknoten befallen (Morbus Hodgkin, Non-Hodgkin-Lymphome).
Anatomischer Aufbau
Ein Lymphknoten ist von einer Kapsel umgeben, von der Bindegewebssepten (Trabekel) ins Innere ziehen. Das funktionelle Gewebe im Inneren ist ein lymphoretikuläres Gewebe. Es besteht aus Retikulumzellen und freien Zellen (Lymphozyten, antigenpräsentierende Zellen).
Die Retikulumzellen bilden im Lymphknoten ein dreidimensionales Maschenwerk, dessen Hohlräume als Sinus lymphaticus bezeichnet werden. Das lymphoretikuläre Gewebe des Lymphknotens ist in drei Gebiete gegliedert. In der Rinde (Cortex) sind die Lymphozyten zu Rindenfollikeln (Lymphknötchen) organisiert. Sie dienen der Vermehrung und Differenzierung der B-Lymphozyten. Im Mark (Medulla) ist das lymphoretikuläre Gewebe in Strängen gelagert. Zwischen Rinde und Mark liegt eine Übergangszone (Paracortex) in der die Entwicklung der T-Lymphozyten stattfindet.
Die Lymphe aus dem Einzugsgebiet des Lymphknotens wird als Primärlymphe bezeichnet. Sie tritt über zuführende Lymphgefäße (Vasa lymphatica afferentia, Singular Vas lymphaticum afferens) durch die Kapsel und durchströmt primär das Sinussystem. Die Sinuswandzellen und Makrophagen vollziehen unspezifische Phagozytose. Ein geringer Teil der Primärlymphe sickert in das lymphatische Gewebe ein und regt bei Vorhandensein von Antigenen die Differenzierung von Lymphozyten an. Die dabei entstehenden ausdifferenzierten T-, Plasma- und Gedächtniszellen gelangen somit in die Lymphe und die Primär- wird damit zur Sekundärlymphe. An der Austrittspforte (Hilus) wird die Sekundärlymphe über ein abführendes Lymphgefäß (Vas lymphaticum efferens) abgeleitet.
Bei den Lymphknoten der Schweine sind die Verhältnisse von Mark, Rinde, Gefäßen und damit auch der Stromweg umgekehrt. Das zuführende Gefäß tritt durch den Hilus, das Mark ist peripher, die Rinde zentral angeordnet und die abführenden Gefäße verlassen den Lymphknoten durch die Kapsel.
Kategorie:Lymphsystem
T-LymphozytT-Lymphozyten oder kurz T-Zellen sind eine für die Immunabwehr wichtigen Gruppe von Blutzellen.
Es handelt sich bei ihnen um eine Subpopulation der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). T-Lymphozyten sind neben B-Lymphozyten an der adaptiven Immunantwort beteiligt.
T-Lymphozyten tragen auf ihrer Oberfläche eine Reihe von Proteinen, die so genannten Oberflächenmarker, die funktionell wichtig sind und zu ihrer Identifizierung z. B. im menschlichen Blut oder in Gewebeproben verwendet werden können. Dazu zählt z. B. der CD3 Rezeptor.
Es werden zwei Subtypen unterschieden:
- CD8-T-Lymphozyten sind zytotoxische Zellen.
- CD4-T-Lymphozyten (auch: T-Helferzellen oder T-Suppressorzellen) sind an der Regulation der Immunantwort und an der zellvermittelten (Entzündungsreaktion) Immunreaktion beteiligt. Außerdem regen sie B-Lymphozyten durch Ausschüttung von Cytokinen zur Teilung und Bildung von Antikörpern an.
Kategorie:Immunologie
Kategorie:Zelltyp
ja:T細胞
Kutanes LymphomEin kutanes Lymphom (lateinisch Cutis: Haut und medizinisch Lymphom: Krebserkrankung, die von Lymphozyten ausgeht) ist ein Lymphom, das in der Haut entsteht. Diese primär kutanen Lymphome müssen unterschieden werden von Lymphomen anderen Ursprungs (meist der Lymphknoten), die sekundär auch die Haut befallen können.
Lymphome können allgemein von den T-Lymphozyten (T-Zell-Lymphome) oder von den B-Lymphozyten (B-Zell-Lymphome) ausgehen. Letzteres ist bei rein kutanen Lymphomen aber selten der Fall. Wie andere Tumorerkrankungen auch können die kutanen Lymphome maligne (bösartig) oder benigne (gutartig) sein, wobei letztere aber teilweise auch eine Vorstufe darstellen können, die später weiter entarten kann.
Das häufigste maligne kutane T-Zell-Lymphom ist die Mycosis fungoides. Die übrigen malignen kutanen T-Zell-Lymphome werden in CD30-positive (prognostisch günstiger) und CD30-negative (prognostisch ungünstiger) unterteilt.
Zu den malignen kutanen B-Zell-Lymphomen gehören das Immunozytom, das Keimzentrums-Lymphom und das Großzellige B-Zell-Lymphom.
Bei den gutartigen Lymphomen (Pseudolymphome) gibt es das Lymphozytom und die Lymphomatoide Papulose.
Link
- http://www.meb.uni-bonn.de/cancernet/deutsch/200098.html
- http://www.ecureme.com/atlas/data/Mycosis_Fungoides550_ab.htm
- Mit Abbildung
- http://www.onkodin.de/zms/content/e2/e27344/e27429/index_ger.html
Kategorie: Hautkrankheit
Kategorie: Krebserkrankung
Ekzem
Als das Ekzem (grch. έκζεμα - Aufgegangenes [z.B. Teig], dt. auch die Juckflechte) wird eine juckende, nicht ansteckende Entzündung der Haut, also eine Dermatitis, bezeichnet.
"Ekzem" und "Dermatitis" werden über weite Strecken austauschbar verwendet, "Dermatitis" wird jedoch breiter definiert, so dass es sich damit bei einem "Ekzem" präziser eine "Dermatitis ekzematosa" handelt. Beide werden mit anderen als Intoleranzreaktionen der Haut aufgefasst.
Ekzematöse Hauterkrankungen können verschiedene Ursachen haben:
- von außen verursacht (exogen), als Kontaktekzem durch allergische Reaktion (häufig auf Metalle) oder toxisch (durch Sonne oder Chemikalien),
- aus innerer Ursache (endogen), z.B. bei der häufigen Neurodermitis, die deshalb auch als "endogenes Ekzem" bezeichnet wird, aber auch bei bakteriellen Infektionen, verstärktem Talgfluss (Seborrhoe) oder bei Fehlregulation des Schwitzens (Dyshidrose).
Einteilung nach der Krankheitsdauer:
- akutes Ekzem mit Blasen- oder Bläschenbildung, Ödem, Rötung (Erythem), Erosion, eventuell auch Krusten,
- chronisches Ekzem mit Hauteinrissen (Rhagaden), Vergröberung der Hautfältelung (Lichenifikation), überschießender Verhornung (Hyperkeratose) und Schuppung.
Kategorie:Hautkrankheit
ja:皮膚炎
EffloreszenzenAls Effloreszenz (veraltet: Hautblüte; engl.: skin lesion) wird ein Grundelement einer krankhaften Hautveränderung bezeichnet, das in der Dermatologie zur Beschreibung derselben eingesetzt wird. Oft ist auch von Effloreszenzenlehre die Rede.
Man unterscheidet zwischen Primär- und Sekundäreffloreszenzen
Zu den Primäreffloreszenzen gehören:
- Macula (Fleck): eine umschriebene Farbveränderung im Hautniveau ohne Konsistenzveränderung.
- Papel (Knötchen): kleinekll, gut abgrenzbare, tastbare Erhabenheit, die über das Hautniveau reicht.
- Nodulus: wie Papel, jedoch größer.
- Vesicula (Bläschen): mit Flüssigkeit gefüllter, stecknadel- bis erbsengroßer, sich über das Hautniveau vorwölbender, nicht vorgeformter Hohlraum.
- Bulla (Blase): mehr als linsengroßer, oft mehrkammeriger Hohlraum. Es wird in subkorneale, intraepidermale und subdermale Blasen unterschieden.
- Pustula (Eiterbläschen): mit Eiter gefülltes Bläschen oder Blase.
- Urtica (Quaddel): durch Histaminauschüttung hervorgerufene, flächenhafte, weiche, ödematöse Erhabenheit von blasser bis hellroter Farbe, die zumeist mit einem Juckreiz einhergeht.
Zu den Sekundäreffloreszenzen gehören:
- Squama (Schuppe): abgeschliferte Hornlamellen
- Crusta (Kruste, Borke): Auflagerung von getrocknetem Sekret.
- Cicatrix (Narbe): neu gebildetes, fasriges Bindegewebe als Ersatz eines Hautsubstanzverlustes
- Erosion (Abschürfung): bis maximal zur Koriumgrenze reichender Verlust der oberen Epidermiszelllagen, die narbenlos abheilen können.
- Exkoriation: Erosion, die alle Schichten der Epidermis betrifft. Ebenfalls eine narbenlose Abheilung möglich.
- Rhagade (Schrunde): schmale, spaltförmige Durchtrennung aller Schichten der Epidermis.
- Ulcus (Geschwür): tiefe Gewebszerstörung mit narbiger Abheilung.
- Atrophie: Schwund von Haut und Hautanhangsgebilden
- Zyste: durch Gewebe abgekapselter Hohlraum mit flüssigem Inhalt.
Kategorie:Dermatologie
Stadienbestimmung (Onkologie)Als Stadienbestimmung oder „Staging“ (englisch) bezeichnet man in der Onkologie das diagnostische Vorgehen im Anschluss an die Diagnose eines bösartigen Tumors. Es dient der Feststellung des Ausbreitungsgrades und damit als Basis für die Entscheidung, zu welcher Therapie dem Patienten geraten wird.
Methoden
Für die Stadienbestimmung einer Krebserkrankung werden alle Möglichkeiten der Diagnostik herangezogen. Bereits eine körperliche Untersuchung mit einfachen Hilfsmitteln liefert erste Hinweise, zum Beispiel auf die Beteiligung oberflächlicher Lymphknoten. Besonders wichtig sind beim Staging die bildgebenden Verfahren. Oft werden Biopsien aus dem Primärherd, aus Metastasen oder aus verdächtigen Lymphknoten entnommen. In manchen Situationen kann die Tumorausbreitung nur mit einer diagnostischen (explorativen) Operation (Chirurgie) geklärt werden. Wird Gewebe gewonnen, kann man zusätzlich aus der Histologie und der Zytologie auf die biologischen Eigenschaften des Tumors geschlossen werden (Grading; im pathologischen Befund ausgewiesen als G1, G2, G3, evtl. auch G4).
Systematiken
Verschiedene Systeme sind für das Staging entwickelt worden. Solide Tumoren werden normalerweise nach dem TNM-System klassifiziert. Dabei steht T für Tumor (dessen lokale Ausbreitung), N für node (Lymphknotenbefall) und M für Metastasen (Tochtergeschwulste außerhalb des primär betroffenen Organs). Jedem Buchstaben wird eine Zahl zugeordnet, die den jeweiligen Ausbreitungsgrad angibt. Die Bedeutung der Zahlen ist von der diagnostizierten Erkrankung abhängig. Die folgende Aufstellung zeigt als Beispiel die möglichen TNM-Stadien bei einem Karzinom der Prostata.
Tumor
- TX: Tumor kann nicht klassifiziert werden.
- T0: Kein Tumorverdacht.
- T1: Tumor ist nicht tastbar und kann in der Bildgebung nicht gesehen werden.
- T2: Tumorwachstum beschränkt sich auf die Prostata selbst.
- T3: Tumor ist durch die Organkapsel gebrochen oder in die Samenbläschen hineingewachsen.
- T4: Tumor ist mit anderen Beckenorganen verwachsen.
Lymphknoten
- NX: Beckenlymphknoten können nicht untersucht werden.
- N0: Keine Prostatakrebszellen in Lymphknoten.
- N1: Prostatakrebs hat Lymphknoten befallen.
Metastasen
- MX: Tumorausbreitung in andere Organe kann nicht beurteilt werden.
- M0: Kein Hinweis auf Tochtergeschwulste anderswo im Körper.
- M1: Prostatakrebszellen konnten außerhalb der Prostata nachgewiesen werden.
(American Joint Committee on Cancer (2002). Prostate. In: AJCC Cancer Staging Manual, 6th ed., pp. 309–316. New York: Springer-Verlag.)
Auf der Basis des TNM-Systems oder aufgrund anderer Kriterien wird die Erkrankung dann einem von vier mit römischen Zahlen benannten Stadien zugeordnet. Auch hier variieren die Kriterien und Konsequenzen entsprechend der Grunderkrankung, aber typischerweise bedeutet Stadium I einen lokalisierten Befund, Stadium II einen ausgedehnteren Befund mit prognostisch günstigen Merkmalen, Stadium III einen ausgedehnten Befund mit ungünstigen Merkmalen, und Stadium IV eine Erkrankung mit Fernmetastasen.
Stadium als Entscheidungsgrundlage
Für die Behandlung von Krebserkrankungen stehen verschiedene Therapieansätze zur Auswahl. Die meisten Behandlungsmethoden sind hochwirksam, aber auch mit erheblichen Nebenwirkungen und Gefahren belastet. Die Stadienbestimmung hilft, in der jeweiligen Situation die beste Auswahl zu treffen. In den Stadien I und II ist dies oft ein chirurgischer Eingriff mit Resektion des Tumors oder Entfernung des betroffenen Organs, gelegentlich ergänzt durch eine lokale Strahlentherapie. Bei weiterer Ausbreitung nützt eine Operation oft wenig. Stattdessen kann eine systemische Therapie (Strahlen- oder Chemotherapie) aussichtsreicher sein.
Wenn aufgrund des Stagings feststeht, dass eine Krebserkrankung nicht kurativ (mit Heilungsaussicht) behandelt werden kann, geht der Onkologe zurückhaltender vor und bietet eine palliative Therapie an, also eine, die die Verbesserung der Lebensqualität statt der Lebensverlängerung zum Ziel hat.
Die vorhandenen Stagingsysteme erheben nicht den Anspruch, die Ausbreitung einer Krankheit vollständig zu beschreiben. Sie ermöglichen vielmehr eine grobe Klassifikation, eine Einschätzung der Prognose und eine systematische Aufzeichnung des Verlaufs einer Erkrankung und des Erfolgs oder Misserfolgs einer Therapie. Der letztere Aspekt ist besonders wichtig, wenn es darum geht, die Erfahrungen an verschiedenen Behandlungszentren zu sammeln (Krebsregister) und für einen individuellen Patienten nutzbar zu machen.
siehe auch: Gleason-Score
Kategorie:Onkologie
TNMDie TNM-Klassifikation (auch: TNM-System engl.: TNM-staging) ist eine Facettenklassifikation aus der Medizin und bezeichnet eine Stadieneinteilung von malignen Tumoren (Krebserkrankungen).
Sie wurde von der Union internationale contre le cancer (UICC) eingeführt. Die Klassifikation hat sich in vielen Ländern durchgesetzt und wird unter anderem in der Krebsregistrierung eingesetzt. Sie basiert auf statistischen Untersuchungen, die zum Beispiel nachweisen, dass sich ab einer bestimmten Größe eines Tumors die Prognose der Erkrankung verschlechtert. Die Einstufung einer Tumorerkrankung in die einzelnen Kategorien des TNM-Systems erlaubt daher prognostische Aussagen und bestimmt häufig auch die weitere Therapie.
TNM ist eine Abkürzung für
- T= Tumor, Ausdehnung des Primärtumors
- N= Nodus = Lymphknoten, Fehlen bzw. Vorhandensein von regionalen Lymphknotenmetastasen
- M= Metastasen, Fehlen bzw. Vorhandensein von Fernmetastasen
T, N und M sind die wichtigsten sogenannten Kategorien des TNM-Systems.
T bezeichnet die Ausdehnung des Primärtumors.
- T0: keine Anzeichen eines Primärtumors (scheint widersinnig, kann aber sein, wenn der Tumor vor Operation z.B. mit Chemotherapie behandelt wurde) oder der primäre Tumor unbekannt ist (CUPS, cancer of unknown primary).
- Tis/Ta: Tumore, die noch nicht infiltriert haben. Ihre Prognose ist im allgemeinen günstig.
- T1, 2, 3 oder 4: zunehmende Größe des Primärtumors oder Befall weiterer Gewebe, z.B. für Brustkrebs:
- T1 : größte Tumorausdehnung höchstens 2 cm
- T2: größte Tumorausdehnung mehr als 2 cm, aber höchstens 5 cm
- T3: größte Tumorausdehnung mehr als 5 cm
- T4: Tumor jeder Größe mit direkter Ausdehnung auf die Brustwand oder Haut
- TX: keine Aussage über den Primärtumor möglich.
Ta gibt es nur bei bestimmten Organen (Nierenbecken und Harnleiter, Harnblase, Harnröhre, Penis).
Dort können Ta-Tumoren mit einer bessere Prognose als Tis Tumoren verbunden sein.
N beschreibt das Vorhandensein bzw. das Fehlen von regionären Lymphknotenmetastasen.
- N0: keine Anzeichen für Lymphknotenbefall.
- N1, 2 oder 3: zunehmender Lymphknotenbefall. Einteilung z.B. nach ipsi- oder kontralateralem Befall und Beweglichkeit, sowie Lokalisation in Relation zum Primärtumor.
- NX: keine Aussagen über Lymphknotenbefall möglich.
Da die Entdeckung von Lymphknotenbefall davon abhängt, wie intensiv nach dem Befall gesucht wird, muss in der Regel je nach Organsystem eine Mindestzahl von Lymphknoten (z.B. 12 beim Dickdarmkrebs) untersucht worden sein, um mit ausreichender Sicherheit sagen zu können, dass kein Befall in der entsprechenden Region vorliegt. Häufig wird die Angabe wieviele Lymphknoten von wieviel untersuchten Lymphknoten befallen waren, der N-Kategorie hinten angefügt, z.B. N0 (0/13).
Zunehmend gibt es Tumoren (z.B. Mammakarzinom), bei denen es als ausreichend angesehen wird, nur den sog. Schildwächterlymphknoten (Sentinel Lymph Node) zu untersuchen. Das ist der erste Lymphknoten (manchmal auch mehr als einer), der die Lymphe aus dem Gebiet des Tumors aufnimmt. Finden sich in ihm keine Metastasen, so ist die Wahrscheinlichkeit, in den "nachgeschalteten" Lymphknoten Metastasen zu finden, sehr gering. Umgekehrt müßen die nachgeschalteten Lymphknoten genau untersucht werden, wenn der Schildwächter befallen ist. Wurde dieses Verfahren angewendet, wird die pN Kategorie durch (sn) gekennzeichnet, also z.B. pN0(sn)=histologisch keine Lymphknotenmetastasen, pN1(sn)=Befall des (der) Schildwächterlymphknoten.
M bezeichnet das Vorhandensein bzw. das Fehlen von Fernmetastasen. In der Regel ist die Klassifikation nur nach einem Staging möglich.
- M0: keine Anzeichen für Fernmetastasen.
- M1: Fernmetastasen vorhanden.
- MX: keine Aussage über Fernmetastasen möglich.
C-Faktor
Die Zuverlässlichkeit der Befundsicherung kann zusätzlich mit dem Deskriptor "C" (engl.: certainty) hinter der jeweiligen TNM-Kategorie angegeben werden. Sie zeigt die Zuverlässigkeit der Diagnose an:
- C1 Allgemeine Untersuchungsmethoden, wie klinischer Untersuchungsbefund, Standard-Röntgenaufnahme etc.
- C2 Spezielle Untersuchungsmethoden, wie ERCP, Computertomografie etc.
- C3 Ergebnisse der chirurgischen Exploration, Zytologien oder Biopsien.
- C4 Erkenntnisse nach chirurgischem Eingriff und histopathologischer Untersuchung. Gleichbedeutend mit der pTNM-Klassifikation.
- C5 Erkenntnisse nach Autopsie einschließlich histopathologischer Untersuchung.
Klinische und pathologische Klassifikation
Wird das Staging durch klinische Untersuchungen und kleinere Eingriffe ermittelt (entsprechend in etwa C1 - C3, siehe oben), so spricht man von einem klinischem TNM (auch cTNM für c=clinical). Da dieses TNM in der Regel auch vor der Therapie bestimmt wird, wird es auch als prätherapeutisch bezeichnet.
Ein Staging, bei dem die aus einem chirurgischen Eingriff und aus histopathologischen Untersuchungen gewonnen Erkenntnisse einfließen, wird als pTNM (pathologische Klassifikation, postoperative histopathologische Klassifikation) bezeichnet. Es entspricht im wesentlichen dem C-Faktor 4. In der TNM-Formel wird der jeweiligen Kategorie ein p vorangestellt, z.B pT1pN0M0 für kleinen Primärtumor ohne Lymphknotenbefall und ohne Fernmetastasen.
Ausnahmsweise ist ein großer chirurgischer Eingriff für die Bestimmung des pTNM nicht erforderlich. Beispiel: wenn durch eine kleine Untersuchung, z.B. eine Biopsie des Magens im Rahmen einer Magenspiegelung, festgestellt werden kann, dass ein großer Dickdarmkrebs in den Magen durchgebrochen ist, dann ist die Kategorie pT4 sicher bestimmt, ohne dass der Dickdarmkrebs entfernt wurde.
Weitere Kategorien und Zusatzangaben
Es gibt weitere Kategorien und Zusatzangaben, die von z.T. entscheidenden Wichtigkeit bei der Tumorklassifikation sind. Die gilt insbesondere für die Angabe der Residualgrenzen, weil nur mit ihr klassifiziert wird, ob ein Tumor "im Gesunden" oder aber nur Teile des Tumors entfernt worden sind.
- L0/1: Invasion in Lymphgefäße (oder Tumorzellemboli in Lymphgefäßen, ein Kontakt zur Gefäßwand ist für die Diagnose nicht erforderlich)
- V0/1/2: Invasion in Venen (keine, mikroskopisch, makroskopisch)
- SX/0-3: Serumtumormarker. Werden nur bei bösartigen Hodentumoren erfasst. (X=nicht verfügbar/untersucht, 0=normal, 1-3=wenigstens ein Marker erhöht)
- R0/1/2: Angabe, ob Tumor verblieben ist (lokal, regionär oder Fernmetastasen). R0 = Kein Tumor im Organismus nachweisbar, R1 = Mikroskopischer Residualtumor an den Schnitträndern, R2 = Makroskopisch Tumor oder Metastasen belassen.
- G1-4: Grading, Angabe, wie differenziert das Tumorgewebe ist. G1 = gut differenziert, das heißt, dass das Tumorgewebe dem Ursprungsgewebe noch relativ ähnlich ist, G4 = undifferenziert, das Ursprungsgewebe ist nur noch über ultrastrukturelle oder immunhistochemische Untersuchungsmethoden differenzierbar.
Da es theoretisch sehr viele Kombinationen von T, N und M gibt (manchmal existieren auch Unterkategorien, z.B. T1a), die dann statistisch nicht mehr sinnvoll verwertbar sind, werden abhängig vom Tumortyp Kombinationen zu sogenannten (UICC-)Stadien zusammengefasst.
Literatur
- UICC (2002) TNM Klassifikation maligner Tumoren, 6.Aufl. (Wittekind Ch, Meyer H-J, Bootz F, Hrsg).
Springer, Berlin Heidelberg New York
- UICC (2005) TNM Atlas. Illustrierter Leitfaden zur TNM/pTNM-Klassifikation maligner Tumoren. 5.Aufl.
(Wittekind Ch, Klimpfinger M, Sobin LH, Hrsg). Springer Medizin, Heidelberg
Siehe auch
Tumor, Krebs (Medizin), Metastase, Pathologie, Histologie
Weblinks
- [http://www.krebsinformation.de/Fragen_und_Antworten/tnm-system.html Das TNM-System]
- [http://cancerstaging.blogspot.com TNM Classification Help]
Kategorie:Klassifikationen
Kategorie:Onkologie
Haut
Die Haut (lat. cutis) ist flächenmäßig das größte (je nach Körperumfang und Körpergröße 1,5 - 2 m2), das schwerste (bis zu 10 kg) und funktionell das vielseitigste Organ des menschlichen Körpers. Sie dient der Abgrenzung von Innen und Außen (Hüllorgan), dem Schutz vor Umwelteinflüssen, der Repräsentation, Kommunikation und Wahrung der Homöostase (inneres Gleichgewicht). Weiterhin übernimmt die Haut wichtige Funktionen im Bereich des Stoffwechsels und der Immunologie und verfügt über vielfältige Anpassungsmechanismen. Aufgrund der engen Beziehung zur Psyche wird sie auch als "Spiegel der Seele" bezeichnet. Die Haut verträgt den pH-Wert von 5,5 am besten.
Aufbau der Haut
Seele
Die äußere Haut (Cutis) gliedert sich prinzipiell in 3 Hauptschichten:
- Oberhaut (Epidermis)
- Lederhaut (Dermis oder Corium)
- Unterhaut (Subcutis)
Die Epidermis oder "Oberhaut" gehört zu den Epithelgeweben, es handelt sich um ein mehrschichtiges verhornendes Plattenepithel, das üblicher Weise zwischen 0,03 bis 0,05 Millimeter, an den Handinnenflächen und den Fußsohlen aber bis zu mehrere Millimeter dick ist.
Von Außen nach Innen können folgende Schichten unterschieden werden: Hornschicht (Stratum corneum), Glanzschicht (Stratum lucidum), Körnerschicht (Stratum granulosum), Stachelzellschicht (Stratum spinosum), Basalschicht (Stratum basale).
Dermis (Corium, Lederhaut)
Die Dermis besteht vorwiegend aus Bindegewebsfasern und dient der Ernährung und Verankerung der Epidermis. Hier versorgt das fein kapillarisierte Blutgefäßsystem die Grenzzone zur Epidermis. Der Ursprung der Talg- und Schweißdrüsen findet sich in der unteren Lederhaut. Diese enthält die für die Temperaturregelung wichtige glatte Muskulatur und Blutgefäße.
Die Dermis wird in ein Stratum papillare (Papillenschicht, Zapfenschicht) und ein Stratum reticulare (Netzschicht) untergliedert.
Die Subcutis bildet die Unterlage für die darüberliegenden Hautschichten und enthält die größeren Blutgefäße und Nerven für die oberen Hautschichten, sowie das subkutane Fett und lockeres Bindegewebe. In der Unterhaut liegen Sinneszellen für starke Druckreize.
Hautanhangsgebilde
Zu den sog. Hautanhangsgebilden der Haut gehören Haare mit ihren Talgdrüsen und dem Haarbalgmuskel (Musculus arrector pili), Nägel und Schweißdrüsen, wobei letztere in ekkrine und apokrine Schweißdrüsen unterteilt werden.
Zähne, Hörner und andere Gebilde werden von der Haut gebildet.
Nicht zuletzt ist auch die Milchdrüse eine modifizierte Hautdrüse.
Leistenhaut und Felderhaut
Betrachtet man die Haut genauer oder mit einer Lupe, so wird man ein feines Relief sichtbar. Nach diesem wird die Haut in zwei Typen unterschieden.
Die Leistenhaut tritt an den Fingern, der Handinnenseite und der Fußsohle auf. Die Epidermis zeigt hier feine Papillarlinien (Hautleisten), die dadurch entstehen, weil sich die Lederhautpapillen in Längsreihen anordnen. Dabei ist jede Hautleiste von zwei Papillarkörperreihen unterlagert. Die Hautleisten bilden ein individuelles Muster aus verschiedenen geometrischen Figuren (Wirbel, Bogen, Schleife, Doppelschleife). Diese Muster werden bei der Daktyloskopie (Fingerabdruckerkennung) kriminaltechnisch als eine Form der biometrischen Daten genutzt.
Die übrigen Hautbereiche sind von der Felderhaut bedeckt. Hier zeigt die Oberfläche durch feine Furchen abgegrenzte rhombische Felder (Areolae cutaneae). Die Furchen entstehen an den papillenfreien Epidermisbereichen und verstreichen bei stärkerer Hautspannung. Sie dienen als Reservefalten, da die Oberhaut weniger dehnungsfähig ist als die Lederhaut. Die Größe der Hautfelder variiert je nach Körperregion.
Die Haut als Grenzorgan
Die Haut schützt uns vor dem Eindringen von Erregern bzw. gasförmigen, flüssigen oder festen Fremdsubstanzen im weitesten Sinn, mechanischen Verletzungen, Strahlenschäden, aber auch vor Flüssigkeits- Elektrolyt- und Proteinverlusten, die bei schweren Verbrennungen der Haut lebensbedrohliche Ausmaße annehmen.
Wärmehaushalt
Über die Haut kann der Körper seinen Wärmehaushalt regulieren. Einer Überhitzung wirkt die Haut mit den Schweißdrüsen entgegen. Durch die Schweißproduktion und die dadurch mögliche Verdunstung wird Wärme von den dicht unter der Haut verlaufenden Kapillargefäßen, die dazu weit geöffnet sind, abgeführt (siehe Schwitzen). Mit Hilfe des Unterhautfettgewebes und im geringeren Maße durch die der Behaarung wird Wärme zurückgehalten. Bei Kälte werden die Haut und das Unterhautfettgewebe nur noch gering durchblutet und beide wirken dadurch als Isolatorschicht. Die Haare können Aufgrund des geringen Haarkleides des Menschen nur noch geringe Isolationsfunktion übernehmen. Dennoch kann man das Wirkprinzip eines Fellkleides noch gut beobachten. Bei der bei Kälte auftretenden Gänsehaut richtet der Musculus arrector pili das Haar auf. Eine geschlossene Behaarung ermöglicht hier einen wesentlich besseren Schutz vor Unterkühlung.
UV-Strahlungsschutz
Die Haut des Menschen schützt das darunterliegende Gewebe und das Blut vor Ultraviolett-Strahlung (UV-Strahlung).
Die Stärke der einfallenden UV-Strahlung hängt von der geographischen Lage und von der Jahreszeit ab. Die Haut reagiert auf den Reiz mit der Bildung des Melanins, das der Haut einen braunen Farbton gibt und der Verdickung der Hornschicht, die die Haut umgibt, der sogenannten Sonnenschwiele.
Auch die Hautfarbe des Menschen stellt eine Anpassung an diese Variation dar.
Die Haut als Stammzellenspeicher
Die Haut enthält wertvolle adulte Stammzellen die sich nach den neuesten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung zufolge in alle anderen Organgewebe (alle drei Keimblätter des menschlichen Organismus) weiterentwickeln können.
Somit bietet sich die Haut als ideale Quelle für multipotente Stammzellen für innovative Therapien der regenerativen Medizin, an. Zukünftig werden adulte Stammzellen aus der Haut in den verschiedensten Bereichen der Stammzelltransplantation und dem Herstellen von Geweben aus adulten Stammzellen durch Tissue Engineering ihren Einsatz finden.
Die Stammzellen aus dem Hautgewebe können bis in das fortgeschrittene Erwachsenenalter gewonnen und für eventuell notwendige medizinische Anwendungen ein Leben lang aufbewahrt werden. Stammzellen aus dem eigenen Hautgewebe haben gegenüber den bislang am häufigsten transplantierten Stammzellen aus dem Knochenmark, dem Nabelschnurblut oder dem peripheren Blut mehrere Vorteile:
- Die Haut enthält eine große Zahl an wertvollen Stammzellen
- Es existiert ein molekularer Marker der die Isolierung der Stammzellen für die klinische Anwendung ermöglicht
- Die Haut als Organ ist leicht zu erreichen
- Die Entnahme von einer kleinen Menge Hautgewebe ist einfach und risikolos
- Die Entnahme kann bis in das fortgeschrittene Erwachsenenalter problemlos vorgenommen werden.
Immunologisches System der Haut
Als antigenpräsentierende Zellen fungieren in der Haut die Langerhanszellen.
Die Haut als Kontakt- und Sinnesorgan
Die Haut stellt den sichtbaren Teil des menschlichen Körpers dar. Als solcher erfüllt die Haut eine Reihe kommunikativer Funktionen. Zur Reizaufnahme ist die Haut mit unterschiedlichen Typen von Rezeptoren ausgestattet:
- Schmerzrezeptoren: Sie liegen in der Lederhaut, ihre Dichte varriiert je nach Körperregion (bis zu 200/cm2 Haut).
- Druckrezeptoren (Vater-Pacini-Körperchen): Sie dienen der Wahrnehmung von Druckempfindungen und liegen in der Unterhaut. Ihre Dichte beträgt bis zu 100/cm2.
- Thermorezeptoren (Krause-Körperchen und freie Nervenendigungen): Sie sind besonders dicht an Kinn, Nase, Ohrmuschel, Ohrläppchen (9 bis 12/cm2) und Lippen (> 15/cm2). Insgesamt besitzt die menschliche Haut ca. 250.000 Kälterezeptoren. Die Anzahl der Wärmerezeptoren beträgt nur etwa 1/10, sie arbeiten zudem deutlich langsamer als Kälterezeptoren.
- Dehnungsrezeptoren (Ruffini-Körperchen): Sie registrieren den Dehnungszustand der Haut und liegen in der Lederhaut (Stratum reticulare). Ihre Dichte beträgt bis zu 2/cm2 Haut.
- Tastrezeptoren (Meissner-Körperchen und Merkel-Zellen): Tastrezeptoren kommen in der unbehaarten Haut vor. Besonders dicht (Abstand: 1-5 mm) sind sie in den Fingerspitzen, den Lippen, der Zunge, den Brustwarzen, den äußeren Geschlechtsorganen und der Afterregion verteilt.
- Haarfollikelrezeptoren: Sie registrieren die Haarstellung (siehe auch Sinushaar).
Die psychogalvanische Hautreaktion gibt Rückschlüsse auf emotionale Vorgänge (siehe auch Lügendetektor).
Siehe auch: Erröten und Erythrophobie, Zärtlichkeit, Streicheln, Erotik, Mechanorezeptor, Taktile Wahrnehmung, Sensibilität.
Die Haut als Repräsentationsorgan
Da die Haut stark das Erscheinungsbild des Menschen prägt, ist sie Hauptobjekt der Kosmetik. Natürliche Erscheinungen sind Sommersprossen, Leberflecken und Altersflecken.
Künstlich verändert wird das Aussehen der Haut durch Tätowierungen, der afrikanischen Skarifizierung, Brandnarben oder der indischen Körperbemalung Mehndi. Außerdem ist die Haut Träger aller Arten von Körperschmuck.
Siehe auch
- Hautatmung, Hautfeuchtigkeit, Hautfarbe, Hautkrankheit
Weblinks
- [http://www.wissenschaft.de/wissen/news/253505.html wissenschaft.de: Ein bisschen Sonne pur tut gut] Forscher empfehlen, für kurze Zeit auch ungeschützt in die Sonne zu gehen, um den Vitamin D-Spiegel zu erhöhen
- [http://www.haut.de haut.de - die Gesundheitsquelle] Informationsportal zum Thema Haut und Körperpflege
Literatur
- Kardorff Bernd: Gesunde Haut - Lexikon von A bis Z. Springer Verlag Berlin Heidelberg, 2004, ISBN 3540205659
- Deutschmann Gerhard: Die Haut und ihre Anhangsgebilde. Springer Wien 2005, ISBN 3211836705
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Kategorie:Morphologie
Kategorie:Histologie
ja:皮膚
simple:Skin
Zellkern
Als Zellkern (lateinisch Nucleus - Kern, auch Nukleus) bezeichnet man einen im Zell- oder Cytoplasma gelegenen, meist rundlich geformten Bestandteil der eukaryotischen Zelle. Vom Zellplasma ist er durch die Kernhülle abgegrenzt. In ihm liegt das Erbgut der Zelle, die Desoxyribonukleinsäure (DNA), zu Chromatin verpackt, vor. Der Zellkern kann als Steuerzentrum der Zelle verstanden werden.
Neben den meist runden oder linsenförmigen Zellkernen gibt es auch unregelmäßiger geformte Kerntypen. In einigen Zellen sehen die Zellkerne eher geweihförmig aus. Manchmal kann der Zellkern in knotenartige Abschnitte untergliedert sein, so beim rosenkranzförmigen Zellkern des Trompetentierchens.
Lichtmikroskopisch fallen in vielen Zellkernen ein oder mehrere rundliche Gebilde auf, die Nucleoli.
In somatischen Zellen ist die DNA auf Histone genannte Kernproteine aufgewickelt, das resultierende Chromatin kann durch Färbung lichtmikrospisch sichtbar gemacht werden. Neben den Histonen kommen auch andere Kernproteine, wie z.B. DNA-Polymerasen und RNA-Polymerasen, weitere Transkriptionsfaktoren sowie
Ribonukleinsäuren im Kern vor.
Durch in der Kernhülle (auch Kernmembran genannt) enthaltene Kernporen findet der Stoffaustausch mit dem Zellplasma statt: Regulatorische Proteine gelangen aus dem Cytoplasma in den Zellkern, Transkriptionsprodukte wie die mRNA werden zur Proteinsynthese, die an den Ribosomen des Cytoplasmas stattfindet, aus dem Kern in das Plasma exportiert.
Wichtige Vorgänge, die innerhalb des Zellkerns ablaufen, sind Replikation (die Duplizierung des in Form von DNA vorliegenden genetischen Materials) und Transkription (das Erstellen einer mRNA-Kopie eines gegebenen DNA-Abschnitts, der oft, aber nicht immer, einem Gen entspricht).
Bei der Mitose, einer bei vielen eukaryotischen Zellen auftretenden Form der Kernteilung, verschwindet der Zellkern zeitweilig, weil die Kernhülle für die Zeit des Teilungsvorgangs aufgelöst wird. Aus dem Chromatin entsteht eine charakteristische Zahl kompakter Chromosomen, mit deren Hilfe die DNA besser auf die Tochterzellen verteilt werden kann. Nach der Teilung bilden sich die Kernhüllen um die Kerne der Tochterzellen wieder aus, und die Chromosomen werden wieder zum Chromatin.
Stammesgeschichtlicher Hintergrund
Die evolutionäre Herkunft des Zellkerns ist unbekannt. Oft werden aber Merkmale wie die doppelte Membran der Kernhülle als Hinweise für einen endosymbiotischen Ursprung angeführt.
Siehe auch: Nucleolus, Intron, Exon, Epigenetik, Kernmatrix, Splicing
Kategorie:Zellbiologie
ja:細胞核
ms:Nukleus
HTLV
Die Abkürzung steht für Humane Tzell-Leukämie-Virus. Dieses behüllte, Einzel(+)-Strang-RNA-Virus, (ss(+)RNA), mit Besonderheiten ist ein lymphotropes Onkovirus und gehört damit zur Gruppe der Retroviren.
Es kann beim Menschen maligne Lymphome (Lymphknotenkrebs) und Blutkrebs (Leukämie) auslösen.
Seit den 1980ern unterscheidet man zwei Virustypen:
- HTLV-I und
- HTLV-II
Ein sogenanntes "HTLV-III"-Virus ist eine historische Bezeichnung für das HI-Virus.
Kategorie:Viren, Viroide und Prionen
ja:HTLV
ProliferationDer Begriff Proliferation wird in unterschiedlichen Bereichen und Zusammenhängen verwendet:
Proliferation im Bereich der Medizin
Medizinische Proliferation nennt man die Gewebevermehrung durch Sprossung oder Wuchern, im Allgemeinen im Rahmen von Entzündung, Wundheilung oder Regeneration.
Proliferation im Bereich der Biologie
Unter Proliferation verstehen Zellbiologen die Zellteilung
Proliferation im Rüstungsbereich
Proliferation ist hier die Bezeichnung für die Weiterverbreitung bzw. die Weitergabe von Massenvernichtungswaffen und ihren Trägersystemen. Die Waffen können komplett sein oder nur die Bauelemente für A-, B- oder C-Waffen. Trägersysteme sind alle solchen, die die Massenvernichtungswaffen an ihren Wirkungsort verbringen oder sie an einem beliebigen Ort zur Wirkung gelangen lassen (Raketen, Granatenhülsen, Zerstäuber).
Chemische Waffen und Biologische Waffen sind leichter und mit meist mehrnützig verwendbaren Mitteln herstellbar (Dual-Use). Was zum Einen der Landwirtschaft oder der Pharmazie dient, kann in anderer Zusammensetzung ein Kampfstoff sein. Hier setzt Proliferation bereits bei der Kombination der Komponenten an.
Die internationale Staatengemeinschaft versucht, Proliferation durch Abkommen und Überwachung einzudämmen (Atomwaffensperrvertrag, Chemiewaffenkonvention). Die Überwachungsmaßnahmen werden im Englischen als Safeguards bezeichnet..
Während der Zeit des Kalten Krieges konzentrierten sich die Massenvernichtungswaffen auf die USA und die nuklearen Teilhaber, sowie die UdSSR. Nach dem Ende der Sowjetunion wird befürchtet, dass Massenvernichtungswaffen aus deren Beständen gestohlen werden. Die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen ist vor allem deshalb eine Gefahr, da sie in die Hände von Terroristen fallen können, die sie nicht wie Staaten zur Abschreckung einsetzen, sondern benutzen. Einer der verkündeten Hauptgründe für den Dritten Golfkrieg der USA gegen den Irak waren inzwischen widerlegte Vermutungen, das Land besitze ABC-Waffen.
Proliferation im Bereich der Informationstechnik
Informationsproliferation ist eine schwer überschaubare Informationsflut. Sie verhindert im schlechtesten Fall, Entscheidungen zu treffen und/oder das wirklich Wichtige heraus zu filtern.
Kategorie:Rüstungskontrolle
Kategorie: Zeitgeschichte
BiopsieDie Biopsie ist ein Fachbegriff aus der Medizin für die Entnahme und Untersuchung von Material (i. d. R. Gewebe) aus einem lebenden Organismus. Das entnommene Gewebe wird vom Pathologen unter dem Mikroskop untersucht. Aber auch chemische Analysen gehören zu den Untersuchungsmethoden.
Die Erkenntnisse aus einer Biopsie lassen Aussagen hinsichtlich der Histologie des untersuchten Gewebes zu. Insbesondere die Fragestellung ob es sich bei Tumoren um bösartige oder gutartige handelt, kann in der Regel nur durch eine Biopsie geklärt werden.
Formen
gutartige
Es gibt verschiedene Formen der Gewebe- bzw. Probenentnahme. Meist werden Biopsien mit Spezialkanülen durchgeführt. Je nach dem verwendeten Instrument spricht man von:
- Nadelbiopsie
- Saugbiopsie
- Stanzbiopsie
- Exzisionsbiopsie
- Feinnadelbiopsie
- Kürettage
Auch die Wortkombination aus Biopsie und dem zu untersuchenden Organ ist üblich (z. B. Leberbiopsie, Muskelbiopsie , Lungenbiopsie).
Meist wird zunächst ein kleiner Hautschnitt gemacht, vor allem bei weitlumigen Biopsienadeln. Biopsien können, je nach Organ, ohne Sichtkontrolle ("blind") oder in Kombination mit bildgebenden Verfahren durchgeführt werden.
Siehe auch
- Punktion
Kategorie:Pathologie
KnochenmarkDas Knochenmark (lateinisch: Medulla ossium) ist etwa ab dem Ende des vierten Embryonalmonats (dem Beginn der medullären Phase) das wichtigste blutbildende Organ des Menschen. Es füllt die Hohlräume der Knochen (Markhöhle und Hohlräume der Spongiosa). Das Rückenmark ist kein Knochenmark. Im Knochenmark werden fast alle Blutzellarten des Menschen gebildet.
Beim Neugeborenen findet sich blutbildendes Knochenmark in den Markhöhlen fast aller Knochen, während es beim Erwachsenen nur noch im Brustbein, den Rippen, im Schädelknochen, den Schlüsselbeinen, den Wirbelkörpern, im Becken und den stammwärts gerichteten Enden von Oberarm- und Oberschenkelknochen zu finden ist. Im Durchschnitt besitzt ein Erwachsener etwa 2.600 g Knochenmark, entsprechend 4,6% des Körpergewichts oder des Gewichts der Leber. Etwa die Hälfte dieser Masse besteht aus rotem Knochenmark, der Rest hauptsächlich aus Fettmark. Im Knochenmark befindet sich circa 10% allen Blutes des Körpers.
Anatomischer Aufbau
Die inneren Hohlräume der Knochen sind mit einer feinen Schicht von Bindegewebe, dem Endost, überzogen; von ihr ausgehend werden die Hohlräume mit retikulärem Bindegewebe durchzogen. Dieses Gewebe wird mittels Blutgefäßen ernährt, die in den Knochen eintreten (Vasa nutrica) und sich dort zu langgestreckten Kavernen (Sinusoide) weiten. Die Wände dieser Kavernen werden von einem besonderen Gewebe gebildet, das zwar wie ein Epithel aussieht, aber aus Retikulumzellen gebildet wurde.
Aufgabe dieses Gewebes ist nicht nur die Versorgung des dahinter liegenden Gewebes, wie es jede Kapillarwand leistet, sondern zusätzlich auch, den dahinter produzierten Blutzellen eine Möglichkeit zu bieten, in das Blut überzutreten. Granulozyten, Monozyten und Thrombozyten werden dabei aktiv tätig, doch die Erythrozyten sind dazu nicht in der Lage, da es offensichtlich keine dauerhaften Lücken in der Aderwand gibt, die dafür geeignet wären. Deswegen vermutet man, dass die Retikulo-Endothelzellen auseinander weichen, wenn Erythrozyten in die Blutbahn abgegeben werden sollen. Zusätzlich müssen sich die Erythrozyten dabei vermutlich stark verformen, so dass dieser Vorgang zugleich einen Funktionstest für die fertigen roten Blutkörperchen darstellen würde.
Im Knochenmark finden sich keine Lymphgefäße.
Rotes Knochenmark
:Nur im roten Knochenmark (lat.: Medulla ossium rubra) finden sich die blutbildenden Zellen. Es handelt sich um etwa 400 Gramm, von denen jeweils 180 Gramm an der Erythropoese, der Erzeugung der Erythrozyten, und der Leukopoese, der Erzeugung der Leukozyten beteiligt sind. Die übrigen 40 Gramm entfallen auf Zellen, die Thrombozyten produzieren.
:Während beim Säugling das rote Knochenmark überall im Knochen zu finden ist, konzentriert sich beim Erwachsenen das rote Knochenmark auf die platten und kurzen Knochen. Im Schaft der langen Knochen (Diaphyse) wird das rote Knochenmark mit zunehmendem Alter durch Fettmark ersetzt. Doch auch innerhalb des roten Knochenmarks finden sich Fettzellen, im Anteil von 35 % in den Wirbelkörpern bis zu 75 % in den Rippen.
Gelbes Knochenmark (Fettmark)
:Im gelben Knochenmark (lat.: Medulla ossium flava) sind besonders große Mengen Fett in die Retikulumzellen eingelagert, wodurch das Mark gelb wirkt. Gelbes Knochenmark kann keine Blutzellen produzieren, wird vom Körper aber bei starkem Blutverlust wieder zu rotem Knochenmark zurück gebildet.
:Gelbes Knochenmark findet sich hauptsächlich in den gelenknahen Bereichen (Epiphysen) der Röhrenknochen.
Weißes Knochenmark (Gallertiges Knochenmark)
:Bei dieser Variante des gelben Knochenmarks sind die Fetteinlagerungen durch Wasser ersetzt, daher das gallertige Aussehen. Weißes Knochenmark kann nicht mehr zu rotem Knochenmark rückgewandelt werden, es ist also eine irreversibel degenerierte Form des Marks. Diese Variante tritt meist im Greisenalter oder bei Schwerkranken auf.
Blutbildung
Obwohl sich die Forscher lange Zeit stritten, ob die verschiedenen Blutzellen aus einer, zwei oder drei verschiedenen Stammzellen gebildet werden, scheint es heute so, als ob eine einzige Stammzelle der Ursprung aller Blutzellen ist: der Hämozytoblast. Durch Teilung entstehen aus ihm zwei Zellen: ein neuer Hämozytoblast und eine Vorläuferzelle, die der Beginn der Entwicklungsreihen Erythropoese, Granulopoese, Lymphopoese, Thrombozytopoese und Monozytopoese ist, an deren Ende jeweils die verschiedenen Blutzellarten stehen. Die Faktoren, die zu den unterschiedlichen Formen führen, sind bisher weitgehend unbekannt; nur dass eine Gruppe von Wirkstoffen, die Poetine, daran beteiligt ist, gilt als sicher.
Hämozytoblasten kommen nicht nur im Knochenmark vor, sondern finden sich auch in geringem Umfang im Blut. Beim Erwachsenen teilen sich diese Zellen nur noch selten.
Erythropoese
:Wenn aus dem oben beschriebenen Teilungsvorgang ein Myeloblast hervorgeht, werden neue Erythrozyten produziert. Dabei reift das Blutkörperchen in vier bis fünf Tagen vom Proerythroblast über den Erythroblast (auch Makroblast genannt) und dem Normoblast, der seinen Zellkern ausstößt, zum Retikulozyt. In ihm sind noch Reste der RNA zu erkennen, die netzförmig die Zelle durchziehen (Substantia granulofilamentosa). Etwa 0,8 % dieser Retikulozyten gelangen bereits in die Blutbahn, obwohl sie erst die letzte Vorstufe zum "normalen" roten Blutkörperchen darstellen. Nach einem bis zwei Tagen sind auch die letzten Reste der RNA verschwunden, nun ist der Erythrozyt reif und wird in die Blutbahn ausgestoßen.
:Aus jedem Proerythroblasten gehen in vier bis fünf Teilungsschritten 16 bis 32 Erythrozyten hervor. Davon sind normalerweise 10% bis 15% fehlgebildet und gehen zugrunde.
Granulopoese
:Granulozyten entstehen, wenn sich die Vorläuferzelle zum Myeloblasten entwickelt, die sich wiederum in den Promyelozyten weiter entwickelt. Von dieser Stufe stammen wahrscheinlich nicht nur die Granulozyten ab, sondern auch die Monozyten (siehe weiter unten: Monozytopoese).
:Metamyelozyten sind der direkte Vorläufer der drei Granulozytenarten und sind die nächste Stufe der Entwicklung. Bis der Promyelozyt sich so weit entwickelt hat, vergehen vier bis sieben Tage, bis zu den reifen Endstadien der Granulozyten werden weitere vier bis sechs Tage vergehen. Aus einem Promyelozyten entstehen 16 reife Granulozyten.
:Die Teilung des Promyelozyten führt zur ersten, noch unreifen Form der Granulozyten, die jetzt noch einen unsegmentierten Zellkern besitzen (stabkerniger Granulozyt). In den nächsten Tagen entstehen drei bis vier Einschnürungen, die den Zellkern in Segmente teilen, die aber untereinander verbunden sind; der Zellkern wird nicht etwa zerteilt. Sobald diese Segmentierung abgeschlossen ist, gilt der Granulozyt als reif (segmentkerniger Granulozyt) und wird in die Blutbahn geschleust.
Monozytopoese
:Wie der Granulozyt stammt auch der Monozyt vom Promyelozyten ab; zumindest wird die Vermutung durch enzymhistochemische Untersuchungen nahe gelegt. Sie werden ohne weitere Reifung aus dem Knochenmark ausgeschleust, können sich aber an anderen Stellen des Körpers in andere Zellarten des Retikulo-Endothelialen Systems, wahrscheinlich auch in Mastzellen, umwandeln.
Lymphopoese
:Aus Lymphozyten-Stammzellen entstehen Lymphoblasten.
:Aus diesen gehen zum einen Pro-T-Lymphozyten hervor, die in undfifferenziertem Zustand das Knochenmark durchlaufen. Sie siedeln sich im Thymus an und dort erfolgt ihre weitere Entwicklung zu T-Lymphozyten.
:Zum anderen entstehen Pro-B-Lymphozyten, die sich im Knochenmark differenzieren und dann als B-Lymphozyten lymphatische Organe (Milz, Lymphknoten, Mandeln, u.a.) besiedeln.
Thrombozytopoese
:Thrombozyten (Blutplättchen) sind Abschnürungen aus dem Plasma der Megakaryozyten (Knochenmarksriesenzellen), die sich bei diesem Vorgang verbrauchen. Dabei vereinigen sich die Trennwände von Teilen des Plasmalemms zu trennenden Wänden und Spalten. So wird der entstehende Thrombozyt mit einer Membran umgeben, bis er sich schließlich abschnürt.
Erkrankungen des Knochenmarks
:Leukämie, Myelodysplastisches Syndrom, Neuroblastom, Osteomyelitis, Strahlenkrankheit
:Wichtiger Hinweis: diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie enthält nur Erkrankungen, die in der Wikipedia abgehandelt werden.
Schädigende Medikamentenwirkstoffe
In Klammern: die Kennung der Roten Liste und an 2. Stelle der ATC-Code
:die meisten Zytostatika wie z.B. Chlorambucil (C 18 / L01AA02), Melphalan (C 18 / L01AA03), Busulfan (C 18 / L01AB01), Tioguanin (C 18 / L01BB03), Cyclophosphamid (C 75 / L01AA01), Ifosamid (C 75 / L01AA06), Imatinib, Trofosfamid (C 75 / L01AA07), Carmustin (C 75), Lomustin (C 75), Mitobronitol (C 75), Vinblastin (C 75), Vindesin (C 75), Cisplatin (C 75), Etoposid (C 75), Teniposid (C 75), weitere Medikamente: Hydantoin (H 40), Pyrazinamid (P 165), Biguanide (B 25), Chloramphenicol (C 20 / J01BA01)).
Viele weitere Wirkstoffgruppen wie zum Beispiel die Sulfonamide, beeinträchtigen die Bildung von Leukozyten und Thrombozyten, ohne in dieser Aufzählung enthalten zu sein. Siehe hierzu Leukopenie und Thrombopenie.
Wichtiger Hinweis: diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit
Knochenmarkspende
Eine Knochenmarkspende ist eine Methode zur Gewinnung von Blutstammzellen. Diese werden benötigt, wenn jemand z.B. an Leukämie ("Blutkrebs") erkrankt ist oder an anderen bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Organs leidet. Eine Transplantation der Blutstammzellen bietet in diesem Fall eine Heilungschance. Da die Knochenmarkspende in diesem Sinne nur eine Methode zur Gewinnung von Blutstammzellen ist, spricht man heute häufig allgemein von Blutstammzellspende wobei die Knochenmarkspende im eigentlichen Sinn als "Entnahme von Blutstammzellen durch Punktionen" im Begriff der Blutstammzellspende mit enthalten ist.
Spenden kann jede gesunde Person im Alter von 18-60 Jahren.
Ein kompatibler Spender kann durch Bluttests gefunden werden. Beim "perfekten Spender" passen die insgesamt sechs HLA-Typen (die Gewebemerkmale) genau zum Empfänger, wodurch die Transplantation in der Regel erfolgreich ist. Wenn nur vier oder fünf Merkmale passen ist die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Transplantation geringer jedoch gegeben. Da die Gewebemerkmale durch ihre Vielfalt millionenfache Kombinationen ermöglichen, gestaltet sich die Suche nach dem "perfekten Spender" oder auch "genetischen Zwilling" als überaus schwierig, ähnlich der Suche nach "der Nadel im Heuhaufen". Mithilfe internationaler Spenderegister ist es heute möglich, für etwa 70% der Bedürftigen die keinen geeigneten Spender bereits in der Familie haben, diesen "genetischen Zwilling" zu finden.
Entgegen der landläufigen Meinung muss bei der Blutstammzelltransplantation die Blutgruppe zwischen Spender und Empfänger jedoch NICHT übereinstimmen.
HLA
Aus den platten Knochen, in der Regel dem Beckenkamm, wird durch eine große Nadel von einem HLA-kompatiblen Spender etwa 1 Liter Knochenmark-Blutgemisch entnommen und das daraus gewonnene Knochenmark dem Empfänger später transfundiert.
Die Prozedur dauert 1-1,5 Stunden und erfolgt unter Vollnarkose stationär im Krankenhaus, wobei mit einem Krankenhausaufenthalt von 2-3 Tagen zu rechnen ist. Entnommenes Knochenmark regeneriert sich beim Spender innerhalb weniger Tage.
Nebenwirkungen: Das Risiko, dass es durch die notwendige Vollnarkose oder durch das Punktieren des Knochenmarkraumes zu ernsteren Komplikationen kommt, liegt etwa bei 1:20.000, vergleichbar mit dem Risiko der Blutplättchenspende. In der Regel tritt jedoch lediglich ein leichter Wundschmerz für einige Tage auf. Gegen immer noch verbreiteten Irrglauben, handelt es sich nicht um eine Manipulation am Zentralnervensystem (ZNS) oder dem Rückenmark, mit Lähmungen oder Einschränkungen der Empfindungsfähigkeit ist deswegen grundsätzlich nicht zu rechnen.
Heute werden Transplantationen zur Leukämietherapie in der Regel durch die Entnahme peripherer Blutstammzellen durchgeführt. Damit ist die Knochenmarkspende mittlerweile durch die periphere Blutstammzellspende fast abgelöst worden. Es gibt jedoch Formen der Leukämie, bei denen man bessere Erfahrungen mit Knochenmark gemacht hat. Ebenfalls bei der Therapie von Kindern wird Knochenmark häufig angefordert. Einige Transplantationszentren (z.B. in Frankreich) fordern allerdings immer noch grundsätzlich Knochenmark an.
Die letzte Entscheidung über das "ob und wie" einer lebensrettenden Spende liegt jedoch immer beim Spender. Wenn der "perfekte Spender" nicht zu einer Knochenmarkspende bereit ist, akzeptieren die Transplantationszentren in der Regel auch Blutstammzellen oder greifen auf andere eventuell kompatible Spender zurück.
Literatur
- H. Leonardt: Histologie, Zytologie und Mikroanatomie des Menschen. Thieme Verlag, ISBN 3-13-371506-2
- W. Tackmann: Repetitorium der Histologie. Berlin (ohne ISBN)
- H. Grosse-Wilde, H. Ottinger: Immunologische Aspekte von Transplantationen. Essen http://wsze.de/download/Immunologische%20Aspekte%20von%20Transplantationen.pdf
- U. Schaefer: Knochenmarktransplantation. Essen http://wsze.de/download/Knochenmarktransplantationen.pdf
Siehe auch
Blut, Knochenmarktransplantation, Blutplättchenspende, Knochenmarkspunktion
Weblinks
- [http://www.zkrd.de www.zkrd.de] - Zentrales Knochenmarkspender-Register Deutschland
- [http://www.dkms.de www.dkms.de] - Deutsche Knochenmarksspenderdatei Tübingen (DKMS)
- [http://www.wsze.de www.wsze.de] - Knochenmarkspenderzentrale Essen
- [http://www.nkr-mhh.de www.nkr-mhh.de] - Norddeutsches Knochenmark- und Stammzellspender-Register
- [http://www.knochenmarkspende.de www.knochenmarkspende.de] - Bayerische Knochenmark- und Stammzellspenderdatei mit regionaler Spenderbetreuung
- [http://www.stefan-morsch-stiftung.de www.stefan-morsch-stiftung.de] - Stefan Morsch Stiftung
- [http://www.wir-spenden-leben.de www.wir-spenden-leben.de] - Initiative "Wir spenden Leben"
Kategorie:Knochen
Kategorie:Hämatologie
Kategorie:Lymphsystem
ja:骨髄
T-LymphozytT-Lymphozyten oder kurz T-Zellen sind eine für die Immunabwehr wichtigen Gruppe von Blutzellen.
Es handelt sich bei ihnen um eine Subpopulation der weißen Blutkörperchen (Leukozyten). T-Lymphozyten sind neben B-Lymphozyten an der adaptiven Immunantwort beteiligt.
T-Lymphozyten tragen auf ihrer Oberfläche eine Reihe von Proteinen, die so genannten Oberflächenmarker, die funktionell wichtig sind und zu ihrer Identifizierung z. B. im menschlichen Blut oder in Gewebeproben verwendet werden können. Dazu zählt z. B. der CD3 Rezeptor.
Es werden zwei Subtypen unterschieden:
- CD8-T-Lymphozyten sind zytotoxische Zellen.
- CD4-T-Lymphozyten (auch: T-Helferzellen oder T-Suppressorzellen) sind an der Regulation der Immunantwort und an der zellvermittelten (Entzündungsreaktion) Immunreaktion beteiligt. Außerdem regen sie B-Lymphozyten durch Ausschüttung von Cytokinen zur Teilung und Bildung von Antikörpern an.
Kategorie:Immunologie
Kategorie:Zelltyp
ja:T細胞
PsoriasisDie Schuppenflechte oder die Psoriasis (altgriechisch ψωρίασις [neugriechisch ψωρίαση] von der ψώρα, psóra - die Krätze) ist eine Hautkrankheit, die sich nach außen hin im Wesentlichen durch einige stark schuppende, punktförmige bis handtellergroße Hautstellen (häufig an den Knien, Ellenbogen und der Kopfhaut) zeigt. Die Schuppenflechte ist eine Autoimmunkrankheit, die nicht nur die Haut betreffen kann. Bei etwa 5 bis 20 % der Patienten kommt es auch zu einer Erkrankung der Gelenke (Gelenkschmerz), der so genannten Psoriasis-Arthritis. In diesem Fall sollte man neben dem Hautarzt noch einen Rheumatologen aufsuchen. Außerdem kann die Krankheit zu einer Veränderung der Finger- und Zehennägel führen.
Rheumatologe
Geschichte
Eine schuppende Hautkrankheit, bei der es sich wahrscheinlich um Psoriasis handelte, wurde bereits vom griechischen Arzt Hippokrates (ca. 460 - 370 v. Chr.) beschrieben. Der Begriff Psoriasis wurde zum ersten Mal vom Arzt Galen verwandt, der damit eine Schuppenbildung im Augen- und Hodenbereich umschrieb. Bei dieser handelte es sich jedoch dem heutigen Forschungsstand nach vermutlich um Ekzeme.
Lange Zeit wurde Psoriasis nicht von der durch Milben verursachten Krätze (Skabies) unterschieden. Vermutlich wurde Psoriasis auch häufig mit Lepra verwechselt; es wird angenommen, dass viele der im Mittelalter verfolgten und zum Teil sogar verbannten "Aussätzigen" nicht unter Lepra, sondern unter Schuppenflechte litten.
Erbliche Krankheit
Schuppenflechte ist erblich (unregelmäßig dominant), aber definitiv nicht ansteckend. Sie kann weder durch Körper- noch durch Sexualkontakt übertragen werden. Auch hat das Auftreten von Psoriasis nachweislich nichts mit mangelnder Hygiene zu tun. Etwa 2 - 3 % der Bevölkerung sind in Mitteleuropa von der Krankheit betroffen. Bei Inuit, Indianern und Aborigenes kommt die Psoriasis so gut wie nicht vor; in Japan und der Volksrepublik China liegt die Prävalenz zwischen 0,025 und 0,3%, am häufigsten ist sie unter Kasachen (bis 12%). Nicht bei allen kommt die Schuppenflechte zum Ausbruch, denn zu der Erbanlage müssen noch weitere, zumeist noch unbekannte Faktoren hinzukommen. Ein schwerer Fall der Schuppenflechte wurde 1995 von Prof. Dr. Henry bei Mariele Weist aus dem sauerländischen Werdohl entdeckt!
Ursachen
Bei dieser Hauterkrankung sind die T-Lymphozyten nicht krankheitsauslösend, sondern haben lediglich verstärkenden Einfluß: Diese sind nicht ausreichend in der Lage, Hautzellen exakt von Antigenen zu differenzieren. Die Folge ist ein Angriff auf die Epidermis.
Die Psoriasis kann ausgelöst und verschlechtert werden durch folgende Medikamente: Betablocker, ACE-Hemmer und Lithium-Salze.
Als Auslösefaktoren einer Psoriasis werden auch unspezifische Reize, wie Verletzungen, Reibung, Operationen, Sonnenbrände oder ähnliches beobachtet, das sog. Koebner-Phänomen. Auch Übergewicht, Alkoholmissbrauch sowie Stress können eine Psoriasis verschlechtern.
Das Koebner-Phänomen ist aber auch der Anhaltspunkt für eine andere Erklärung, nach der die Schuppenflechte von den Keratinozyten ausgeht. Bei einer Verletzung wird ein Transkriptionsfaktor namens STAT3 aktiviert, der unter anderem bei der Wundheilung eine Rolle spielt, wodurch eine Hyperkeratose durch Vermehrung der Keratinozyten, gefolgt von einer Aktivierung der kutanen T-Zellen ausgelöst wird. Durch fortlaufende Aktivierung des STAT3 wird eine Wundheilung, also insbesondere Entzündung und Bildung von Epidermisschichten, ungebremst fortgesetzt. Diese Theorie wurde im Dezember 2004 vom Krebsforscher John DiGiovanni am M. D. Anderson Cancer Center, Universität von Texas, in der Zeitschrift Nature Medicine (2004; 10.1038/nm1162) publiziert [http://www.eurekalert.org/pub_releases/2004-12/uotm-mda120904.php].
Symptome und Beschwerden
Hyperkeratose
Hyperkeratose
Die Oberhaut (Epidermis) eines gesunden Menschen erneuert sich innerhalb von 26 bis 27 Tagen. Bei der Schuppenflechte erneuert sich die Haut an einigen Stellen innerhalb von nur 6 bis 7 Tagen. Die überschüssigen Hautzellen sterben dabei ab und bilden an diesen Stellen glänzende, silbrige Schuppen, die auf einer darunter liegenden stark durchbluteten und daher roten Haut liegen. Dies ist die unterste Zellschicht der Oberhaut, die Grenze zur Lederhaut (Dermis).
Kann dieses dünne Häutchen abgelöst werden, gilt dies als sicheres Zeichen von Schuppenflechte. Die am häufigsten betroffenen Körperregionen sind die Ellenbogen, die Kniescheiben und die Kopfhaut unter den Haaren, aber auch Steißbein, Fingerknöchel und die Partien unter den Ohrläppchen. Manchmal tragen die Hautschuppen einen roten Punkt in der Mitte, das Tüpfel. Auch bestimmte Beeinträchtigungen an den Finger- und Zehnägeln können auftreten, zum Beispiel die Ölnägel (gelblich verfärbt).
Der Schweregrad der Erkrankung wird u.a. mittels des PASI-Score ermittelt.
Folgen und Komplikationen
Der Juckreiz kann sehr störend sein, die stark schuppenden Hautstellen belasten kosmetisch sehr stark. Bei 5 - 20% der Patienten kann es zu einer Erkrankung der Gelenke kommen, was sehr schmerzhaft ist. Die krankhaften Veränderungen an den Finger- und den Zehennägeln können den Alltag stark beeinträchtigen.
Gelegentlich kommt es bei Psoriasis vor allem an Feuchtstellen wie Analfalte und Leisten zu Superinfektionen mit einem Hefepilz oder Bakterien, was die Erkrankung verschlimmert.
Die psychischen Belastungen Psoriasiskranker werden allgemein stark unterschätzt; nach neueren Studien liegen sie aber in der Größenordnung von Herzinfarkt-Patienten! So liegt u.a. die Rate an Alkoholmissbrauch deutlich über der der Allgemeinbevölkerung.
Verlauf
Meistens entwickelt sich die Schuppenflechte zum ersten Mal während der Pubertät und wird als Typ 1 bezeichnet. In einzelnen Fällen tritt die Psoriasis schon im Kindesalter auf und stellt eine meist unterschätzte psychische Belastung für das Kind dar. Bei älteren Patienten tritt sie oft ab dem 40. Lebensjahr zum ersten Mal auf und dies wird als Typ 2 bezeichnet. Bei jedem Patienten verläuft die Krankheit anders. So heilt sie bei einigen Patienten scheinbar aus und tritt nur einmal im Leben auf (bei rund 25% der Patienten), andere Patienten wechseln dafür zwischen Phasen mit stark betroffener Haut und Phasen ohne erkennbare Schuppenbildung hin und her. Vor allem im Frühling und Herbst kommt es häufig zu Krankheitsschüben.
Behandlung
Die bisherigen Behandlungsmethoden versprechen leider eher eine Linderung als eine Heilung. Selbst in der erscheinungsfreien Zeit ist eine kontinuierliche Pflege der Haut mit rückfettenden Produkten (Cremeseifen, Bade- Duschöle) notwendig, wobei im Sommer eher feuchigkeitsspendende Produkte zum Einsatz kommen. Da häufig auf Duftstoffe eine negative Reaktion erfolgt, ist bei der Suche nach den richtigen Produkten Geduld gefordert.
Äußerliche Anwendungen
Für die äußerlichen Anwendungen (topische Therapie) werden heute folgende Drogen verwendet:
- Harnstoff — wird für die Pflege und Behandlung in Form von Beigaben in Öl, Creme und Salben verwendet.
- Salicylsäure — im Wesentlichen zum Ablösen der Schuppen verwendet.
- Steinkohlenteer — Wird seit langer Zeit zur Behandlung chronischer Hautkrankheiten verwendet. Bremst die Zellteilung und lindert den Juckreiz. Allerdings wird inzwischen von einem Krebsrisiko gesprochen.
- Dithranol — bremst die Zellteilung und hat eine gute Wirksamkeit, nur in der Behandlung ist diese Methode extrem aufwändig. Ältere Präparate hatten auch noch andere Nachteile, wie die Braunfärbung auch der umgebenden gesunden Haut, aber auch bei Gegenständen, die mit diesem Stoff in Berührung gekommen sind, wie Kleidung, Bettwäsche und Waschbecken. Es sind heute moderne Zubereitungen im Handel, durch die sich die oben beschriebenen Nebenwirkungen deutlich reduzieren lassen. So durch die Minutentherapie, bei der Dithranol nur noch wenige Minuten auf die erkrankten Stellen aufgetragen und anschließend abgewaschen wird.
- Cortison — ein synthetischer Wirkstoff, der dem menschlichen Hormon der Nebennierenrinde nachempfunden ist. Er reduziert schnell die entzündlichen Erscheinungen. Wegen der Nebenwirkungen sollte man Cortison jedoch nur kurzzeitig und nur auf kleinen Hautpartien einsetzen. Es eignet sich nicht zur Behandlung großflächiger Hautareale. Am besten geeignet sind Cortison-Salben noch für die Kopfhaut. Ein Effekt, der von diesen Präparaten oft verursacht wird, ist der der Hautatrophie (Verdünnung der Haut).
Seit einiger Zeit wird in der Werbung die Salbe Ebenol angepriesen. Sie enthält Cortisol (=Hydrocortison) und ist nicht verschreibungspflichtig. Die Cortisonstärke ist allerdings zu gering für eine wirksame Behandlung der Psoriasis.
- Vitamin-D-Derivate — sind synthetische Stoffe, die einem Hormon nachempfunden sind, welches eine wesentliche Rolle bei der Steuerung der immunologischen und regenerativen Vorgängen der Haut spielt. Sie verringern die Teilungsaktivität der Hautzellen. Das verwendete Calcipotriol oder auch Tacalcitol sind solche Vitamin-D-Derivate, welche die Risiken des Vitamin D um ein Vielfaches reduziert.
Auch diese Medikamente können bei Überdosierung gefährliche Nebenwirkungen haben, im Allgemeinen sind sie aber gut verträglich. Eine häufige Behandlungmethode besteht in der Kombination mit Lichttherapie.
- Wirkstoffe der Rinde der Gewöhnliche Mahonie, lat. (Mahonia aquifolium) - hier speziell das Präparat "Rubisan", wirksam vermutlich durch Bindung der dort enthaltenen Berberin-Alkaloide an die Erbsubstanz DNS (DNS-Addukte).
Bade- und Lichttherapie
Eine Lichttherapie kann in der Praxis des Hautarztes oder, wenn man sich die entsprechenden Geräte angeschafft hat, zu Hause durchgeführt werden. Sonnenlicht bewirkt ebenfalls eine Linderung, die Bestrahlung mit künstlichem Licht bestimmter Wellenlänge ist jedoch vorteilhafter.
- Schmalspektrum-UVB-Therapie - bekannt nach den Bestrahlungsgeräten mit 311 Nanometern Wellenlänge des Lichtes. Die Psoriasis reagiert am empfindlichsten im Bereich zwischen 310 und 313 nm, daher ist die 311 nm Bestrahlung heute das Mittel der Wahl für Ganz- und Teilkörperbestrahlungen. Durch die geringere Erythemwirkung ist die Verträglichkeit besser als bei Breitband-UVB- und SUP-Strahlern.
Diese Therapie wird oft kombiniert mit topischen Behandlungen, zur weiteren Steigerung der Wirksamkeit.
- Selektive Ultraviolett-Phototherapie (SUP) - Ist eine Kombination von UVA und UVB. Sie wirkt rasch und intensiv und muss aber optimal an die Hautverhältnisse der Personen angepasst werden, um Sonnenbrände zu vermeiden. Dies gilt übrigens für alle Bestrahlungstherapien.
- PUVA-Therapie (Psoralen + UVA) - Dies Methode gibt es in zwei Formen, einerseits als Bad oder innerlich mittels Tabletten. Bei der letzteren werden Präparate wie Psoralen oder Melaninin eingesetzt, um die Lichtempfindlichkeit der Haut zu steigern so die Wirksamkeit der UVA-Strahlen zu erhöhen.
- Balneophototherapie - hauptsächlich als Sole-Photo-Therapie bekannt. Diese Methode soll die Bedingungen am Toten Meer simulieren. Zwischen 60 und 90% der Patienten sprechen auf diese Behandlung an.
:Die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland zahlt diese Art der Behandlung nur noch in Kliniken, nicht mehr beim niedergelassenen Arzt.
- Lasertherapie - mit hochenergetischem Licht (308 Nanometer Excimerlaser) werden die Stellen behandelt. Diese Methode ist besonders für kleinflächige und hartnäckigere Psoriasisherde geeignet. Das hochenergiereiche, kohärente Laserlicht ist die derzeit wirksamste physikalische Therapie zur Behandlung der Psoriasis.
Innerliche Anwendungen
Die innerlichen Anwendungen (systemische Therapie) sind heute den schweren Fällen und bei Arthritis vorbehalten.
- Methotrexat: MTX - Dieser Arzneistoff stammt aus der Krebstherapie, hemmt das Wachstum der Zellen und unterdrückt das Immunsystem. Die Einnahme muss wegen der Nebenwirkungen ärztlich kontrolliert werden.
- Vitamin-A-Abkömmlinge - Diese Abkömmlinge, die Retinoide wie zum Beispiel Acitretin; werden gerne mit Bestrahlungen kombiniert. Diese wirken ebenfalls auf die Hautzellen ein. Wichtig ist, dass diese Stoffe bei Frauen bis zu zwei Jahre nach der Behandlung zu einer Missbildung des Kindes in der Schwangerschaft führen können.Weiterhin sind diese Stoffe für ihre ausgeprägten Nebenwirkungen bekannt.
- Cortison - Die hier verwendeten Tabletten oder Spritzen sind wirklich reine Notfallmedizin, weil hier der Rebound-Effekt und weitere gravierende Nebenwirkungen auftreten können.
- Immunsuppressive Substanzen wie Cyclosporin A - Diese Substanzen kommen aus der Transplantationsmedizin und unterdrücken das Immunsystem. Diese Stoffe bilden heute einen Forschungsschwerpunkt, weil Forschungsergebnisse darauf hinweisen, dass die Psoriasis eine Autoimmunerkrankung ist.
- Fumarsäureester - Derzeit ist ein Medikament erhältlich, welches eine Mischung aus unterschiedlichen Fumarsäurenester ist, und auf Grund von Studien als gut wirksam anerkannt ist. Obwohl Fumarsäure im menschlichen Stoffwechsel (Citratzyklus) vorkommt, ist es in der verwendeten Dosierung nicht nebenwirkungsfrei (v.a.: Diarrhoen, Kolik-artige Bauchschmerzen und Hitzewallungen). Behandlungen mit diesem Medikament werden hauptsächlich bei schwerem Befall vorgenommen.
hoption dar, die schwersten, therapieresistenten Fällen vorbehalten sind.
Weblinks
- [http://www.psoriasis-netz.de Psoriasis-Netz - Umfangreiche Informationen - Chat - Foren]
- [http://www.psoaktuell.com PSO aktuell - Der Ratgeber bei Schuppenflechte]
- [http://www.pso-online.de Informationsdienst für Schuppenflechte-Psoriasis]
- [http://dermis.multimedica.de/doia/abrowser.asp?zugr=d&lang=d&beginswith=psoriasis&type=search Dermatology Online Atlas: Psoriasi]¨
- [http://www.psoriasis-welt.de www.psoriasis-welt.de Informationen für Patienten und Angehörige]
Kategorie:Hautkrankheit
Kategorie:Autoimmunerkrankungen
simple:Psoriasis
KortikoidKortikoide oder Kortikosteroide sind eine Gruppe von ca. 50 in der Nebennierenrinde gebildeten Steroidhormonen sowie chemisch vergleichbare synthetische Stoffe. Alle Kortikoide entstehen dabei aus dem Ausgangsstoff Cholesterin oder werden durch Polymerisation von Isopren gebildet. Gemeinsames Grundgerüst der Hormone ist das Progesteron (Δ4-Pregnen-3,20-dion).
Unterschieden werden:
- Mineralokortikoide werden in der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde gebildet und beeinflussen vorwiegend den Kalium-Natrium-Haushalt und damit den Wassergehalt des Körpers
- Glukokortikoide stammen aus der Zona fasciculata und beeinflussen vorwiegend den Kohlenhydratstoffwechsel
- Androgene Sexualhormone aus der Zona reticularis
Zu den natürlichen Glukokortikoiden gehören Kortison, Corticosteron, und Kortisol; zu den Mineralokortikoiden das Aldosteron und Desoxycorticosteron . Künstliche Kortikoide sind z.B. Prednison und Prednisolon, Methylprednisolon, Triamcinolon, Dexamethason, Betametahason und Paramethason.
Synthese
Die unterschiedlichen Hormone werden aus Progesteron durch Hydroxylierung (Einbau von OH-Gruppen) und Oxidation dieser Gruppen zu Keto- oder Aldehydgruppen an verschiedenen Positionen gebildet. Die Funktion der Nebennierenrinde wird durch das ACTH, ein Protein-Hormon aus der Hirnanhangdrüse, gesteuert.
Überproduktion, Mangel
Krankhafte Überproduktion oder langdauernde Einnahme von Glukokortikoiden erzeugen ein charakteristisches Krankheitsbild (Cushing-Syndrom) mit Osteoporose, Diabetes Fettsucht und Muskelschwund. Zu hohe Mineralokortikoid-Konzentrationen stören den Wasser-Elektrolythaushalt und schädigen die Nieren (Conn-Syndrom).
Ein Mangel an Nebennierenrindenhormonen erzeugt den Morbus Addison, eine lebensbedrohliche Erkran kung mit Kreislaufschwäche, Austrocknung und Kachexie. Ein bestimmter Gendefekt, bei dem zuviel Androgene und zuwenig Aldosteron produziert werden, verursacht Virilismus und Wassereinlagerung; das Vollbild der Krankheit wird als Adrenogenitales Syndrom bezeichnet.
Abbau
Kortikoide werden in der Leber durch Reduktion zu inaktiven Derivaten (17-Hydroxysteroide, 17-Ketosteroide) umgewandelt und über Urin und Gallenflüssigkeit ausgeschieden.
Therapie
Außer bei den o.g. Mangelzuständen werden vor allem Glukokortikoide in zahlreichen Immunerkrankungen und Notfallsituationen als Medikament eingesetzt. Die natürlichen Kortikoide sind gegenüber den künstlichen Kortikoiden schwächer wirksam. Medikamente mit einer höheren Affinität binden sich leichter an die Rezeptoren und haben bei gleicher Arzneimittelkonzentration eine größere Wirkung.
Für die orale und intravenöse Therapie werden Äquivalenzdosen (die gleichwirksame Dosis Kortison, z.B. für ) angegeben. Prednison (17α,21-Dihydroxy-1,4-pregnadien-3,20-dion) ist ein künstlich hergestelltes Kortikoid, welches einer dehydrierten Variante des Kortison entspricht. Seine Wirkung liegt etwa bei der vier- bis fünffachen des Kortison.
Kortikoide werden zur Behandlung von Asthma, Ekzemen, Neurodermitis und Schuppenflechte (Psoriasis) genutzt.
Kategorie:Hormon
PUVAPUVA steht als Abkürzung für Psoralen plus UV-A, wobei mit dieser Kombination von langwelligem UV-Licht und dem als Naturstoff in den ätherischen Ölen verschiedener Pflanzen vorkommenden Psoralen dessen photosensibilisierende Eigenschaften zu therapeutischen Zwecken ausgenutzt werden.
Angewandt wird die PUVA-Therapie in der Dermatologie zur Behandlung ausgeprägterer Formen von Psoriasis.
Kategorie:Dermatologie
Antikörper
Antikörper sind Proteine (Eiweiße) aus der Klasse der Globuline, die in Wirbeltieren gebildet werden, und zwar angeregt durch bestimmte eingedrungene Fremdstoffe, die als Antigene bezeichnet werden. Sie dienen der Abwehr dieser Fremdstoffe. Als Antigene wirken fast ausschließlich Makromoleküle oder an Partikel gebundene Moleküle, zum Beispiel Lipopolysaccharide an der Oberfläche von Bakterien. Ein bestimmtes Antigen induziert in der Regel die Bildung nur eines bestimmten, dazu passenden Antikörpers, der spezifisch nur an diesen Fremdstoff gebunden wird.
Die spezifische Bindung von Antikörpern an die Antigene bildet einen wesentlichen Teil der Abwehr gegen die eingedrungenen Fremdstoffe. Bei Krankheitserregern (Pathogenen) als Fremdstoffe kann die Bildung und Bindung von Antikörpern zur Immunität führen. Antikörper sind also zentrale Bestandteile des Immunsystems höherer Wirbeltiere und man bezeichnet deshalb die Antikörper als Immunglobuline (Ig).
Antikörper werden von einer Klasse von weißen Blutzellen (Leukozyten), d.h. zu Effektorzellen differenzierten B-Zellen (=Plasmazellen), sezerniert (abgesondert). Sie kommen im Blut und in der extrazellulären Flüssigkeit der Gewebe vor. Sie "erkennen" meist nicht die gesamte Struktur des Antigens, sondern nur einen Teil desselben, die sogenannte antigene Determinante (das Epitop).
Struktur von Antikörpern
EpitopJeder Antikörper besteht aus zwei identischen schweren Ketten (heavy chains, H) und zwei identischen leichten Ketten (light chains, L), die durch kovalente Disulfidbrücken zu einer Ypsilon-förmigen Struktur miteinander verknüpft sind. Die beiden Leichtketten sind je nach Organismus und Immunglobulin-Subklasse entweder vom Typ kappa oder lambda und bilden zusammen mit den oberhalb der Gelenkregion (hinge region) liegenden Anteil der schweren Ketten das Antigenbindende Fragment Fab, welches enzymatisch mit Hilfe von Papain von dem darunterliegenden kristallinen Fragment Fc abgespalten werden kann. Die ausgesprochene Variabilität der Antikörperbindungsstellen erreicht der Organismus über die V(D)J-Rekombination.
Antikörper als B-Zell-Rezeptoren
Membranständige Antikörper (als B-Zell-Rezeptoren (BCR) bezeichnet) können B-Zellen aktivieren, wenn sie durch Antigene quervernetzt werden. Die B-Zelle nimmt daraufhin den Immunkomplex durch Endocytose auf, verdaut das Antigen proteolytisch und präsentiert über MHC Klasse II Moleküle Fragmente davon (Peptide mit 8-12 Aminosäuren) auf ihrer Zelloberfläche. Wenn die präsentierten Fragmente dann von einer CD4-T-Zelle (T-Helferzellen) als fremd erkannt werden, stimuliert diese T-Zelle die B-Zelle, was weitere Reifungsprozesse (somatische Hypermutation, Klassenwechsel) sowie die Umwandlung der B-Zelle zur antikörpersezernierenden Plasmazelle oder zur Memory B-Zelle auslöst. Diese Reifungsprozesse finden innerhalb von Keimzentren in den sekundären Lymphatischen Organen (Milz, Lymphkoten) statt und werden unter dem Begriff der Keimzentrumsreaktion zusammengefasst.
Wirkungsweisen von sezernierten Antikörpern
Sezernierte Antikörper wirken durch verschiedene Mechanismen:
- Die einfachste ist die Neutralisation von Antigenen. Dadurch, dass der Antikörper das Antigen bindet, wird dieses blockiert und kann beispielsweise seine toxische Wirkung nicht mehr entfalten, oder andere Wechselwirkungen des Antigens mit Körperzellen werden verhindert.
- Ein weiterer ist die Opsonisierung ("lecker machen"), das Einhüllen von Krankheitserregern und Fremdpartikeln mit Antikörpern. Wenn ein Antikörper beispielsweise an ein Antigen bindet, dass sich auf der Oberfläche eines Bakteriums befindet, "markiert" er damit gleichzeitig das Bakterium, denn die konstante Region des Antikörpers, der an sein Antigen gebunden hat, wird von Phagozyten erkannt, die als Fresszellen das Bakterium aufnehmen und verdauen können.
- Eine dritte Wirkungsweise ist, dass Antiköper das Komplementsystem aktivieren.
- Antikörper, die an körpereigene Zellen binden, können NK-Zellen aktivieren, welche diese Zellen dann abtöten. Dieser Prozess wird auch als "Antibody-dependent cell-mediated cytotoxicity" (ADCC) bezeichnet.
Verschiedene Klassen (Isotypen) von Antikörpern
Es gibt im Körper fünf verschiedene Gruppen (Klassen) von Antikörpern, wobei das Ig für Immunglobulin steht. Die verschiedenen Isotypen kommen in verschiedenen Kompartimenten des Körpers vor und haben unterschiedliche Aufgaben:
- Wird auf allen Schleimhäuten der Atemwege, der Augen und des Magen-Darm-Traktes sowie in der Vaginalflüssigkeit und Muttermilch sekretiert und schützt dort vor Pathogenen (auch das Neugeborene). Sekretiertes IgA kommt in Form von Homo-Dimeren vor; die beiden Anteile sind durch das "Joining-Peptide" verbunden.
- Es wird durch differentielles Spleißen der IgM/IgD-Prä-mRNA zusammen mit IgM als B-Zell Rezeptor (BCR) auf reifen, naiven (antigenunerfahrenen) B-Zellen membranständig coexprimiert.
- IgD ist nur in geringen Mengen in sezernierter Form in Blut und Lymphe vorhanden, Funktion unbekannt.
- IgE vermittelt den Schutz vor Parasiten, wie z.B. Würmern. Es wird durch Fc-Rezeptoren auf Mastzellen gebunden. Aus diesem Grund ist nahezu alles IgE membrangebunden, im Blut ist es praktisch nicht vorhanden. Bei Antigenkontakt wird es quervernetzt, was zur Ausschüttung von Histaminen, Granzymen etc. durch die Mastzellen und Granulozyten führt. Diese töten den Erreger ab. Letztere wirken außerdem stark gefäßerweiternd, was das Herankommen anderer Immunzellen erleichtert. Es wirkt außerdem muskelkontraktierend, was die Ausscheidung der Erreger über Lunge und Darm erleichtert.
- IgE ist ebenso an der allergischen Sofortreaktion beteiligt.
- Wird sofort nach dem Kontakt mit Antigenen gebildet und zeigt die akute Infektionsphase einer Krankheit an.
- z.B. Anti HBs IgM = gegen das Hepatitis B Virus gerichtete Antikörper der IgM-Klasse (Zeichen der aktiven Hepatitis B-Erkrankung)
- Merkregel: Der Buchstabe M steigt an und fällt wieder ab.
Merkregel für IgM
- IgM ist ein Pentamer (Multimer) aus fünf Untereinheiten. Auch diese Untereinheiten sind durch das Joining Peptide verbunden.
- Wird erst in einer verzögerten Abwehrphase (3 Wochen) gebildet und bleibt lange erhalten. Zeigt eine durchgemachte Infektion an.
- z.B. Anti HBs IgG = gegen das Hepatitis B-Virus gerichtete Antikörper der IgG-Klasse (Zeichen einer stattgefunden habenden Hepatitis B-Erkrankung oder Impfung)
(Merkregel: "IgG bleibt in der Höh." - Der Buchstabe G bleibt nach oben offen.)
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